Flag DE / UKFlag DE / UK

Firma

Schwingungstechnisches ABC...

rund um das Thema Schwingungstechnik, Schwingungsdämpfer und allem, was dazu gehört

Schwingungstechnik ist für viele eine Blackbox – dabei kann bereits die Lagerung einer Maschine deutlich komplexer sein, als es auf den ersten Blick scheint. Mit unserem Schwingungstechnischen ABC greifen wir die wichtigsten Begriffe rund um Schwingungsdämpfer und -isolatoren auf und erklären sie kompakt in 1–2 Sätzen – praxisnah und ohne unnötigen Fachjargon. Das ABC wächst kontinuierlich mit unserer täglichen Arbeit und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wohl aber auf Klarheit. So schaffen wir Schritt für Schritt mehr Durchblick in einem Thema, das in der Praxis oft unterschätzt wird.

Grundlagen und Kenngrößen

Amplitude

Die Amplitude ist der maximale Ausschlag einer Schwingung gegenüber der Ruhelage. Sie kann als Weg, Geschwindigkeit oder Beschleunigung angegeben werden und ist ein direktes Maß für die Intensität der Schwingung. Hohe Amplituden weisen oft auf eine kritische Betriebssituation oder einen beginnenden Schaden hin.

Dämpfung

Dämpfung beschreibt den Energieverlust in einem schwingenden System, der die Amplitude im Zeitverlauf reduziert. Sie kann durch Reibung, Werkstoffverhalten oder gezielt eingebaute Dämpfungselemente entstehen. Eine ausreichende Dämpfung verhindert insbesondere im Resonanzfall überhöhte Ausschläge.

Eigenfrequenz

Die Eigenfrequenz ist die Frequenz, mit der ein System nach einer einmaligen Anregung ohne äußere Krafteinwirkung frei schwingt. Sie hängt von Masse und Steifigkeit des Systems ab. Liegt eine Anregungsfrequenz nahe der Eigenfrequenz, drohen stark überhöhte Schwingungsamplituden (Resonanz).

Einmassenschwinger

Der Einmassenschwinger ist das einfachste Modell eines schwingungsfähigen Systems und besteht aus einer Masse, einer Feder und einem Dämpfer mit nur einem Freiheitsgrad. Er dient als Grundmodell zur Herleitung zentraler Kenngrößen wie Eigenfrequenz und Dämpfungsgrad und bildet die Basis, auf der komplexere Mehrmassenschwinger-Modelle aufbauen. In der Praxis lassen sich viele reale Systeme näherungsweise auf einen Einmassenschwinger zurückführen.

Freiheitsgrad

Der Freiheitsgrad gibt an, wie viele unabhängige Bewegungsmöglichkeiten ein schwingungsfähiges System besitzt. Reale Bauteile besitzen meist mehrere Freiheitsgrade und werden daher als Mehrmassenschwinger modelliert. Jeder Freiheitsgrad kann dabei eine eigene Eigenfrequenz und Schwingform aufweisen.

Frequenz

Die Frequenz gibt an, wie viele vollständige Schwingungszyklen pro Sekunde auftreten, gemessen in Hertz (Hz). Sie ist der Kehrwert der Periodendauer und eine der wichtigsten Kenngrößen zur Charakterisierung von Schwingungen. In der Praxis hilft sie, Anregungsquellen (z. B. Motordrehzahl) einem gemessenen Signal zuzuordnen.

Periodendauer

Die Periodendauer beschreibt die Zeit, die für einen vollständigen Schwingungszyklus benötigt wird, angegeben in Sekunden. Sie steht in direktem, reziprokem Zusammenhang zur Frequenz. Kurze Periodendauern entsprechen hohen Frequenzen und umgekehrt.

Resonanz

Resonanz tritt auf, wenn die Anregungsfrequenz mit der Eigenfrequenz eines Systems übereinstimmt oder ihr sehr nahekommt. Dabei können sich die Schwingungsamplituden erheblich aufschaukeln, was zu Bauteilversagen führen kann. Resonanzen müssen daher bei der Konstruktion gezielt vermieden oder durch Dämpfung entschärft werden.

Schwingbeschleunigung

Die Schwingbeschleunigung ist die zweite zeitliche Ableitung des Schwingwegs und beschreibt, wie stark sich die Geschwindigkeit eines schwingenden Systems ändert. Sie wird meist in m/s² oder g angegeben und steigt bei gleicher Wegamplitude quadratisch mit der Frequenz an. Beschleunigungssensoren messen diese Größe direkt, weshalb sie die in der Praxis am häufigsten erfasste Schwingungskenngröße ist.

Schwinggeschwindigkeit

Die Schwinggeschwindigkeit beschreibt, wie schnell sich ein schwingendes Bauteil bewegt, und ergibt sich aus der zeitlichen Ableitung des Schwingwegs. Sie wird meist in mm/s angegeben und ist in vielen Normen zur Maschinenüberwachung die maßgebliche Bewertungsgröße, da sie über einen weiten Frequenzbereich ein annähernd konstantes Energieniveau widerspiegelt. Anders als die reine Wegamplitude erlaubt sie damit einen direkten Vergleich unterschiedlicher Frequenzen.

Schwingung

Eine Schwingung ist die zeitlich wiederkehrende Bewegung eines Systems um eine Ruhelage oder einen Referenzzustand. Sie kann mechanisch, elektrisch oder akustisch auftreten und wird durch Größen wie Amplitude, Frequenz und Phase beschrieben. In der Technik ist sie meist unerwünscht, da sie zu Verschleiß, Lärm oder Bauteilschäden führen kann.

Trägheitskraft

Die Trägheitskraft ist die Kraft, die eine beschleunigte Masse ihrer Bewegungsänderung entgegensetzt, und ergibt sich aus dem Produkt von Masse und Beschleunigung. In schwingungsfähigen Systemen wirkt sie der Rückstellkraft der Feder entgegen und ist maßgeblich für das dynamische Verhalten verantwortlich. Bei der Auslegung von Isolierungen bestimmt sie mit, welche Kräfte über die Federelemente in die Umgebung übertragen werden.


Isolierung und Dämpfung

Abstimmverhältnis / Frequenzverhältnis

Das Abstimmverhältnis bezeichnet das Verhältnis der Anregungsfrequenz zur Eigenfrequenz des gelagerten Systems. Es ist der entscheidende Parameter für die Wirksamkeit einer Schwingungsisolierung: Erst ab einem Abstimmverhältnis größer als 1,41 tritt eine isolierende Wirkung ein. Für eine hohe Isolierwirkung (80% oder mehr) werden in der Praxis meist Abstimmverhältnisse zwischen 2,5 und 4 angestrebt.

Dämpfungsgrad (Lehr’sches Dämpfungsmaß)

Der Dämpfungsgrad ist eine dimensionslose Kennzahl, die das Verhältnis der tatsächlichen Dämpfung eines Systems zur kritischen Dämpfung beschreibt. Er bestimmt, wie schnell eine angeregte Schwingung abklingt und wie stark die Überhöhung im Resonanzfall ausfällt. Werte nahe 1 kennzeichnen ein stark gedämpftes, Werte nahe 0 ein kaum gedämpftes System.

Dämpfungskonstante

Die Dämpfungskonstante (auch Dämpfungskoeffizient) ist die Proportionalitätskonstante zwischen der Dämpfungskraft und der Schwinggeschwindigkeit in einem viskos gedämpften System, angegeben in Ns/m. Sie ist die physikalische Grundgröße, aus der sich in Verbindung mit Masse und Steifigkeit der dimensionslose Dämpfungsgrad berechnen lässt. In Datenblättern von Dämpfern und Elastomerlagern wird sie oft direkt als Auslegungskennwert angegeben.

Drahtgestricklager

Ein Drahtgestricklager ist ein Isolationselement aus verdichtetem, metallischem Drahtgestrick, das elastische und dämpfende Eigenschaften in sich vereint. Im Gegensatz zu Elastomerlagern ist es beständig gegen hohe und tiefe Temperaturen, Öle, UV-Strahlung und Alterung, wodurch es sich besonders für extreme Einsatzbedingungen eignet. Durch innere Reibung zwischen den Drahtwindungen entsteht zudem eine nichtlineare, amplitudenabhängige Dämpfung.

Elastomerlager

Elastomerlager sind Bauteile aus gummiartigen Werkstoffen, die zur elastischen Entkopplung von Maschinen oder Bauteilen eingesetzt werden. Sie kombinieren Federungs- und Dämpfungseigenschaften und lassen sich in ihrer Steifigkeit gezielt auf den Anwendungsfall abstimmen. Wegen ihrer Materialeigenschaften sind sie jedoch temperatur- und alterungsempfindlich.

Empfängerschutz (Passivisolierung)

Der Empfängerschutz umfasst Isolierungsmaßnahmen, die ein schwingungsempfindliches Objekt vor störenden Erschütterungen und Fundamentbewegungen aus der Umgebung schützen. Hierbei steht nicht die Schwingungserzeugung im Vordergrund, sondern der Schutz des Zielgeräts (z. B. Koordinatenmessgeräte, Mikroskope, Laborwaagen oder Präzisionswerkzeugmaschinen). Durch eine weiche, elastische Lagerung des Empfängers wird verhindert, dass am Aufstellort vorhandene Bodenschwingungen auf das Mess- oder Bearbeitungssystem übertragen werden und dort die Messgenauigkeit oder Fertigungsqualität beeinträchtigen.

Federkonstante / Federsteifigkeit

Die Federkonstante beschreibt das Verhältnis zwischen einer wirkenden Kraft und der resultierenden Verformung eines elastischen Elements. Sie bestimmt maßgeblich die Eigenfrequenz eines schwingungsfähigen Systems. Eine niedrige Steifigkeit senkt die Eigenfrequenz und wird gezielt zur Isolierung hochfrequenter Störungen genutzt.

Isolationswirkungsgrad

Der Isolationswirkungsgrad gibt an, welcher Anteil der eingeleiteten Schwingungsenergie durch ein Isolationselement tatsächlich zurückgehalten wird. Er hängt vom Verhältnis der Anregungsfrequenz zur Eigenfrequenz des isolierten Systems ab und ist erst oberhalb einer bestimmten Frequenz (dem sogenannten Abstimmverhältnis von √2) wirksam. Er dient als zentrale Kenngröße zur Auslegung und Bewertung von Isolierlösungen.

Quellenschutz (Aktivisolierung)

Der Quellenschutz bezeichnet Schwingungsisolierungsmaßnahmen, die direkt an der Entstehungsquelle dynamischer Kräfte ansetzen. Ziel ist es, die von einer Maschine oder Anlage (z. B. Stanze, Verdichter, Motor oder Pumpe) erzeugten Wechselkräfte und Erschütterungen so weit zu reduzieren, dass sie nicht über das Fundament oder die Gebäudestruktur in die Umgebung übertragen werden. Durch die elastische Entkopplung der Quelle wird die Dynamikeinleitung minimiert, wodurch benachbarte Bauteile, Gebäudestrukturen und Personen vor unzulässigen Schwingungen und Körperschall geschützt werden.

Schraubendruckfeder

Schraubendruckfedern sind metallische Isolationselemente, die sich durch sehr niedrige Eigenfrequenzen (geringe Steifigkeit) und damit exzellente Isolierwirkungen bei niedrigen Anregungsfrequenzen auszeichnen. Da sie kaum Eigendämpfung besitzen, werden sie in der Praxis häufig mit externen Dämpfungselementen (z. B. Viskodämpfern oder Drahtgestrickkissen) kombiniert, um Resonanzdurchläufe beim An- und Ausfahren sicher zu beherrschen. Schraubendruckfedern sind in all unseren Federisolatoren verbaut. 

Schwingungsdämpfer

Ein Schwingungsdämpfer ist ein Bauteil, das Schwingungsenergie in Wärme umwandelt und so die Amplitude reduziert. Er wird oft in Kombination mit elastischen Lagerelementen eingesetzt, um sowohl die Steifigkeit als auch die Energieabfuhr eines Systems gezielt einzustellen. Typische Bauformen sind hydraulische oder viskose Dämpfer.

Schwingungsisolierung

Schwingungsisolierung bezeichnet Maßnahmen, die die Übertragung von Schwingungen zwischen einer Quelle (z. B. Maschine) und ihrer Umgebung (z. B. Fundament) reduzieren. Dies geschieht meist durch elastische Elemente, die eine Entkopplung bewirken. Ziel ist es, sowohl die Umgebung vor der Maschine als auch die Maschine vor Umgebungseinflüssen zu schützen.

Schwingungstilger

Ein Tilger ist eine zusätzliche Masse-Feder-Einheit, die gezielt auf eine störende Frequenz abgestimmt wird, um genau diese Schwingung zu neutralisieren. Er entzieht dem Hauptsystem an der kritischen Frequenz Energie und überträgt sie auf die Zusatzmasse. Tilger werden häufig eingesetzt, wenn eine feste, bekannte Störfrequenz dauerhaft auftritt.

Übertragungsfunktion / Vergrößerungsfunktion

Die Übertragungsfunktion beschreibt das Verhältnis der Ausgangsgröße (z. B. auf das Fundament übertragene Kraft oder Schwingamplitude) zur Eingangsgröße (Anregungskraft oder -bewegung) in Abhängigkeit von der Frequenz. Sie macht anschaulich sichtbar, in welchen Frequenzbereichen Schwingungen verstärkt (Resonanzbereich) oder reduziert werden (Isolierbereich) und ist das zentrale Hilfsmittel bei der rechnerischen Auslegung von Isolationssystemen.

Bei weiteren Fragen stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung:

Herr Rainer Herzam

r.herzam@rgplus.de

Tel.: 0234/51620815

Herr Markus Günther

m.guenther@rgplus.de

Tel.: 0234/51620814

Herr Nils Wichmann

n.wichmann@rgplus.de

Tel.: 0234/51620819